Im kleinen Örtchen Pürbach bei Schrems im niederösterreichischen Waldviertel, direkt an der Franz-Josefs-Bahn gelegen, entstand 1986 eines der bezauberndsten Theaterhäuser Österreichs, das von Mai bis Dezember ein vielfältiges Programm mit mehreren Eigenproduktionen und ausgewählten Gastspielen aus den Bereichen Kabarett, Musik und Literatur bietet, wobei die künstlerische Qualität der Produktionen stets an erster Stelle steht.
Das liebevoll restaurierte Theater mit einem Fassungsraum von 176 Sitzplätzen ist schon lange kein Geheimtipp mehr unter Kunst- und Kulturliebhabern aus Nah und Fern. Mit seiner professionell ausgestatteten Bühne, die sozusagen „alle Stücke spielt“, einem gemütlichen Theatercafé sowie einem liebevoll begrünten, idyllischen Innenhof ist es schon lange ein wichtiger Fixpunkt der niederösterreichischen Kulturlandschaft.
Auf der Suche nach einer Rückzugsmöglichkeit kam Harald Gugenberger Anfang der 80er aus Linz ins Waldviertel und kaufte einen alten Bauernhof mit viel Potenzial und Raum für kreatives Schaffen. Nachdem ein erstes großes Fest im Jahr 1986 gut angekommen war, setzten der Musiker Gugenberger, die Schauspielerin Stella Hierländer, der Grafiker Reinhold Hartl-Gobl, der Schauspieler Wolfgang Böck und einige andere „Theaternarrische“ eine waghalsige Idee in die Realität um: Professionelles Theater abseits der Ballungsräume.
Eine der ersten großen Produktionen war „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, Regie führte Werner Prinz. Ein Publikumserfolg war auch das Ein-Personen-Stück „Shirley Valentine“ mit Stella Hierländer. Die Produktion „Nach Aschenfeld“ mit Wolf Bachofner und Wolfgang Böck konnte an das „Theater in der Josefstadt“ verkauft werden, „Häuptling Abendwind“ wurde gar mit Orchester inszeniert – und wurde aufgrund des großen Erfolges mehrmals wiederaufgenommen.
In der damals dünn besiedelten Waldviertler Kulturlandschaft war das Hoftheater ein Vorreiter, mittlerweile ist das Haus einer der frequentiertesten und wichtigsten Kulturplätze des Landes geworden: Rund 10.000 Menschen kommen jährlich, um von Geschichten unterhalten und von Schauspielerinnen und Schauspielern berührt und mitgerissen zu werden. Ganze 130 Stücke wurden bisher hier produziert, von Theaterklassikern bis zu zeitgenössischen Stücken, darunter auch zahlreiche Uraufführungen. Man könnte auch sagen: Das Wald4tler Hoftheater ist das Waldviertler Landestheater.
Seit dem größeren Umbau im Jahr 2001 wird das Theater ganzjährig bespielt, bewusst wurde der intime Rahmen und der Charme des Theaters erhalten. Seit 2006 werden auch Stücke für das Hoftheater geschrieben, eine der ersten Produktionen aus der hauseigenen „Schreibwerkstatt“ war „Räuberhauptmann Grasel“ von Hakon Hirzenberger. Immer wieder wird auch außerhalb des Theatersaals gespielt, etwa „Nebelstein“ (nach Mitterers „Munde“) am gleichnamigen Berg oder Open-Air-Sommertheater mit Tribüne.
Diese Tradition setzte Moritz Hierländer, der 2016 das Theater als Intendant übernahm, fort. Seit 2017 gibt es das „Wald4tler Offtheater“ für zeitgenössische Stücke und neue Theaterformate, gespielt wurde etwa „Demut vor deinen Taten, Baby“ im Theatercafé oder „Killer Joe“ auf der Open Air-Bühne. Mit „Jedermann“ oder „Das weiße Rössel“ wurden Theater-Klassiker mit viel Publikumserfolg völlig neu überarbeitet.
Vorne von links: Reinhold Hartl-Gobl, Moritz Hierländer, Caroline Hierländer
Hinten von links: Johannes Bode, Matthias Helfrich, Elisabeth Eckhart, Dominik Herout, Gerhard Oberbauer, Nora Eckhart, Sebastian Greiner, Ivana Ceskova, Wolfgang Polly, Ellena Diesner, David Cornelius, Sebastian Süß, Annelie Marchsteiner und Chiara Antonia Frasl.